RAUM 5

Prof. Dr. Prof. h.c. Jürgen Hillesheim Leiter der Brecht-Forschungsstätte Augsburg
 

Brechts Leben in Berlin nach dem Exil

Spannendes über die schöpferische Periode Brechts nach seiner Rückkehr aus dem Exil bis hin zu seinem Tod.

Brecht hatte seine berühmtesten Theaterstücke in der Zeit seines Exils geschrieben. Nach seiner Rückkehr nach Europa, über die Schweiz nach Berlin, hatte er dann sein eigenes Theaterensemble, das berühmte „Berliner Ensemble“, das formal unter der Leitung seiner Frau Helene Weigel stand. Mit diesem Ensemble brachte er die berühmten Modellinszenierungen seiner eigenen Stücke auf die Bühne, die minuziös fotographisch festgehalten wurden. Hier in diesem Raum sind dokumentiert zwei seiner bekanntesten Stücke, nämlich „Der gute Mensch von Sezuan“ und „Mutter Courage und ihre Kinder“ - das wohl bekannteste Theaterstück Brechts, das mit seiner Erstaufführung in Berlin in der Theatergeschichte des Nachkriegsdeutschlands für Furore sorgte.

Planwagen Mutter Courage

Theater und Aufstand

Da haben wir ein wunderbares originales Stück, nämlich eine Bühnenbildminiatur zur Erstaufführung. Sie sehen hier den Planwagen der Mutter Courage, der sich auf einer Drehbühne bewegt und damit klarmacht, dass der Krieg ein immer wieder kehrendes Ereignis ist, das zu durchschauen und zu verändern, durch Kategorien des epischen Theaters, nicht so ganz einfach ist.

Diese Zeit war aber auch die der permanenten Auseinandersetzung Brechts mit den Kulturfunktionären der DDR. Hier verhielt er sich sehr taktisch, um die Existenz seines eigenen Theaterensembles nicht zu gefährden. Als ein Beispiel kann sein Verhalten anlässlich des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953 genannt werden. Hier erklärte er zwar in der Zeitung öffentlich seine Solidarität mit der Staatsregierung, er verlangte jedoch gleichzeitig nach einer Aussprache mit dem Volk, die allerdings nie stattgefunden hat.

Stalin-Friedenspreis

1954 - Sie sehen hier in der Vitrine die Urkunde - hatte man Brecht in Moskau den internationalen Stalin-Friedenspreis verliehen. Diesen bekam er allerdings nur, nachdem Thomas Mann ihn vorher abgelehnt hatte. Brecht wusste davon nichts; hätte er davon Kenntnis gehabt, ist es relativ sicher, dass auch er ihn abgelehnt hätte. Brecht war nie in der Lage und niemals bereit, sich in die zweite Reihe einzufügen.

Brechts Totenmaske

Brechts Tod

Am 14. August 1956 schließlich starb Brecht – hier in der Vitrine seine Totenmaske. Drei Tage später, am 17. August, wurde er auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt. Dieser Friedhof befindet sich naher seiner letzten Wohnung – er konnte ihn, wenn er aus seinem Arbeitszimmer aus dem Fenster geguckt hat, sogar sehen. Unmittelbar nach seinem Tod begann in Ost-, aber auch Westdeutschland eine rege Diskussion um Werk und Persönlichkeit Brechts. Heute steht zweifelsfrei fest, dass er der bedeutendste deutschsprachige Theaterautor des zwanzigsten Jahrhunderts ist. Er hat mit der Theorie und Praxis seines epischen Theaters Maßstäbe gesetzt. Trotz aller ideologischen Vereinnahmungsversuche von Ost, aber auch West ist zweifelsfrei sicher, dass er die internationale Theaterlandschaft grundlegend neu gestaltet hat.

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