Franz K. und leere Bierflaschen -Lesung mit Erzählungen von Lou Probsthayn und Carl E. Ricé
Der Hamburger Schriftsteller und Verleger Lou Probsthayn und Gerald Fiebig lesen im Brechthaus.
Eintritt: 8 €
Eine telefonische Anmeldung ist erforderlich: 0821-45098231
Der Hamburger Schriftsteller und Verleger Lou Probsthayn stellt zwei Neuerscheinungen vor. „Junge Männer mit leeren Bierflaschen“ ist Probsthayns aktueller Erzählband, aus dem der Autor selbst vorliest. In Probsthayns Verlag Literatur Quickie erscheint die Erzählung „Franz K.“ von dem ebenfalls aus Hamburg stammenden Dichter und Erzähler Carl E. Ricé. Aus dem Text von Ricé, der 2024 in Augsburg starb, liest sein Nachlassverwalter Gerald Fiebig.
Immer kommen die Figuren, auf welche sich Lou Probsthayn jeweils konzentriert, höchst alltäglich daher, dann aber geraten sie unter eine nächtliche Straßenlaterne oder in eine unbekannte Einkaufssituation oder eine vertrackte Haushaltserledigung – und schon ist alles möglich. Nein, nein, „Ansgar muss mit dem Hund gehen“ und „sich sammeln“ und „Eine Zigarette mit Iggy Pop rauchen“ und „Ich hatte heute Geschirr“ sind mehr Tarnungen der erzählten Kosmen denn ihre Titel: Vom Fürchten¬¬¬lernen bis zum Lebensmodellaustauschen widerfährt uns hier draußen, außerhalb der Probsthayn¬schen Figurationen – uff, das ging gerade noch mal gut! –, die ganze Palette von Leserherausforderungen.
Carl E. Ricé hat in seinen stets im mündlichen Vortrag entwickelten satirischen Erzählungen eine ganz eigene Form des schwarzen Humors entwickelt. Eine zunächst alltäglich erscheinende Situation wird durch konsequentes Immer-weiter-Drehen von nur ein oder zwei Stellschrauben zielstrebig ins Absurde oder Surreale überzeichnet – bis man mit ungläubigem Lachen feststellt, dass das vermeintlich Fantastische nur den latenten Irrsinn unserer Wirklichkeit ans Licht bringt. Dass das kunstfertige Spiel mit literarischen Stoffen dabei zum guten Ricé’schen Ton gehört, dürfte angesichts eines „kafkaesken“ Titels wie „Franz K.“ kaum verwundern.
Geboren 1960, flüchtete Lou Probsthayn im Alter von drei Monaten aus der Hauptstadt der DDR nach Hamburg. Noch heute lebt und arbeitet er in der Elbmetropole. Er wurde bekannt durch diverse Bücher, etwa „Lachgas im Airbag“ (Piper) oder „Dumm gelaufen“ und „Die Welt ist Hund“ (Achilla Presse). Für „Müll“ (yedermann Verlag) erhielt er den Literaturpreis Hamburg. 2007 gründete er zusammen mit Gunter Gerlach die legendäre Lesereihe Literatur Quickie, zwei Jahre später den gleichnamigen Verlag, der ausschließlich Kurzgeschichten verlegt. Dem Verlegen und Veranstalten geht er heute noch nach und nebenbei hält er es noch immer mit dem Schreiben.
Geboren 1947, flüchtete Carl E. Ricé im Alter von etwa 18 Jahren aus Hamburg nach Ingolstadt und später München. Von Mitte der 1980er bis zu seinem Tod 2024 lebte er in Augsburg. Er wurde bekannt als Literatur-Performer, der eigene und fremde Texte frei erzählt, nicht vorliest. Mit „Franz K.“ wird erstmals seit über 20 Jahren wieder eine Geschichte aus seinem einzigen Erzählband von 1993 wieder gedruckt zugänglich. Von 2010 bis 2020 organisierte er die Literaturreihe „Poesiebrunch“. 2022 erschien sein Hörbuch „Das Kainszeichen. Geschichte einer Vergewaltigung“, 2023 sein Gedichtband „Schrei mit dem Wind“. Dessen Lektor Gerald Fiebig betreut nun Carl E. Ricés Nachlass.

Lou Probsthayn (Foto: Heike Blenk)

Carl E. Ricé (Foto: Gerald Fiebig)

Gerald Fiebig (Foto: Herbert Hindringer)